Ranja | 6. November 2020

Der Sinn der Gemeinschaft - Was wir von der Honigbiene lernen können

Je mehr wir uns mit Bienen beschäftigen, umso stärker wird unsere Faszination für diese kleinen Lebewesen. 

Wer hätte gedacht, dass eine Honigbiene in ihrem Leben durchschnittlich eine Strecke von 8.000 km zurücklegt? Dies entspricht ungefähr der Entfernung zwischen Deutschland und den Malediven. Um ein Kilo Honig zu erzeugen, fliegen Bienen gar umgerechnet 7-mal um die Erde. Und wer schon mal ein Bienenvolk beobachtet hat, der weiß, wie wuselig es hier zugeht. Doch hinter dieser scheinbaren Unordnung stehen ein ausgeklügeltes Kommunikationssystem und eine Arbeitsteilung, die bis ins feinste aufeinander abgestimmt ist. Ein Bienenvolk, bestehend aus bis zu 40.000 Bienen, wird daher auch als ein Superorganismus bezeichnet. Denn jede Biene eines Volkes agiert als Einzelne für die Gemeinschaft als Ganzes in ihrem Tun und stimmt sich hierbei auf die anderen Bienen ab. Letztlich wie auch die einzelnen Körperzellen bei uns Menschen dazu beitragen, dass der Organismus als Ganzes funktioniert und gesund ist.

Unscheinbar und fast schon als Nebenprodukt sorgen Bienen mit ihrer Nektarsuche weltweit dafür, dass unsere Nutz- und Wildpflanzen bestäubt werden. Doch nicht nur das, der von ihnen produzierte Honig, der den Bienen als Nahrungsquelle insbesondere auch für den Winter dient, schmeckt nicht nur gut, ihm wird in Bezug auf den menschlichen Körper auch eine entzündungshemmende, antibiotische und antiallergische Wirkung nachgesagt. Ebenso wie Bienenwachs, der den Bienen zum Bau der Bienenwaben dient, aufgrund seiner hautschützenden und feuchtigkeitsgebenden Eigenschaft als Kosmetik- und Pflegeprodukt geschätzt wird.

Doch wie fragil Bienen, die nun schon seit etwa 40 Millionen Jahren existieren und sich über diese Millionen von Jahren immer wieder den wandelnden Umwelt- und Lebensbedingungen anpassen konnten, auf den Eingriff des Menschen reagiert, davon zeugt der starke Rückgang der Anzahl und Dichte von Bienen. Durch den Eingriff des Menschen in die natürlichen Lebensräume der Bienen durch u. a. monokulturelle Landwirtschaft, dem Einsatz von Pestiziden und der ausbreitenden Flächenversiegelung in Städten wird den Bienen immer mehr ihre Nahrungsgrundlage genommen. Doch wenn der Mensch der hauptsächliche Verursacher dieser bedrohlichen Situation ist, so ist doch im Umkehrschluss auch die positive Wendung, dass der Mensch durch sein Handeln auch wieder zu einer Verbesserung der Situation für die Bienen beitragen kann.

Wir haben uns daher gefragt, ob wir uns als Menschen etwas von dem Verständnis der Gemeinschaft, die in einem Bienenvolk zelebriert wird, abschauen können. Können uns Bienen vielleicht sogar als Inspiration dienen, wie auch wir fast nebenbei bzw. als Nebenprodukt Gutes für diese Erde bewirken können? Klar wollen wir hierbei nicht unser komplexes System mit denen der Biene gleichsetzen, aber vielleicht gibt es ja aus der Welt der Honigbiene Inspiration auch für unser tägliches Tun.

 

Ausrichtung auf ein gemeinsames Ziel

Alles im Verhalten der Biene ist auf das Wohl der Gemeinschaft ausgerichtet. Sei es in der alltäglichen Fürsorge zueinander, bei der Nektarsuche oder dem Entscheidungsprozess einer neuen Behausung. Alles ist von einem geteilten Interesse geleitet: Die beste Lösung für den Schwarm als Ganzes zu finden. Und hieran lässt sich wohl der erste grundlegende Unterschied zu uns Menschen ausmachen. Anders als Bienen in einem Schwarm haben Menschen in einer Gemeinschaft nur selten ein einziges, gemeinsames Ziel und neigen daher wohl auch weniger als Bienen dazu, in enge Kooperation zu treten, wenn sie ein gemeinsames Problem angehen müssen.

 

Offener Aushandlungsprozess um die besten Ideen

Das sich jede einzelne Biene nach dem Wohl der Gemeinschaft ausrichtet, wird insbesondere bei der Wahl eines neuen Nistplatzes ersichtlich. Für den Biologen Thomas D. Seeley stellt dieser kollektive Entscheidungsfindungsprozess der Bienen gar ein Beispiel für eine direkte Demokratie in Perfektion dar*.

Im Frühsommer kann man das Phänomen beobachten: Einige 10 000 Bienen verlassen gemeinsam mit ihrer Königin ihr altes Bienenvolk und machen sich auf die Suche nach einem neuen Nistplatz. Hat der Schwarm eine Stelle gefunden, an der er sich niederlassen möchte, beginnt die Arbeit einiger hundert Kundschafterinnen, die sich auf die Suche nach einer geeigneten Nisthöhle machen. Von geeigneten Höhlen wird einander über Tänze berichtet – Je besser der Nistplatz, umso enthusiastischer der Tanz. Konnte eine Biene überzeugen, machen sich andere Bienen auf den Weg, um die Stelle zu inspizieren und führen ihrerseits einen Tanz auf, sofern sie den Nistplatz als geeignet empfinden. Für einen neuen Nistplatz wird sich einstimmig entschieden, sobald ein Quorum der Bienen für einen Nistplatz tanzt. Erstaunlich hierbei, wie die Feldbeobachtungen von Seeley zeigen: In allen von ihm beobachteten Fällen haben sich die Bienen kollektiv für den besten Nistplatz entschieden. Welche Prinzipien werden also befolgt?

Es wird ein offener, fairer Austausch der Ideen praktiziert, bei dem alle Bienen unabhängig und gleichberechtigt sind. Eine Vielzahl an Informationen und Meinungen über potentielle Nistplätze werden zusammengetragen durch die Rekrutierung von immer mehr Bienen, die den Nistplatz inspizieren und durch eigene Meinungsbildung unabhängig Informationen sammeln und hiervon berichten. Fehler werden also nicht über blinde Nachahmung weitergetragen oder verstärkt. Ebenso treten nach einer Weile die Tänzerinnen zurück, sodass sich nur solche Plätze halten, für die sich neue begeisterte Tänzerinnen gefunden haben. An der eigenen Position wird also nicht festgehalten, sondern zum Wohle der Gemeinschaft aufgegeben.  

 

Weitergabe von Wissen

Aber nicht nur bei der Suche nach einem neuen Nistplatz tragen Bienen ihr Wissen kollektiv zusammen, um die beste Lösung für die Gemeinschaft erzielen zu können. Auch bei der alltäglichen Nektarsuche wird beständig über die Aufführung von Tänzen auf reichhaltige Nektarquellen hingewiesen.

 

Flexibilität und schnelles Lernen

Bienen reagieren auf neue Lebensumstände mit größter Flexibilität. Nicht nur, dass sie mit ihrem Schwarm einen neuen Nistplatz suchen und hierbei alles Alte wie auch die Erinnerung an die Koordinaten des bisherigen Nistplatzes zurücklassen. Auch die Aufgabenverteilung im Bienenstock, wie die Reinigung der Zellen, Fütterung der Larven, Bau von Waben, Reifung des Honigs, Durchlüftung des Bienenstocks werden von den Arbeiterbienen nach einem Rotationsprinzip ausgeführt, das sich alle paar Tage ändert. Das Nest als Pfadfinder- und Sammelbienen verlassen Bienen hingegen erst gegen Ende ihres etwa siebenwöchigen Lebens. Aber auch hier gilt das Prinzip der höchsten Flexibilität. Kehrt zum Beispiel ein Großteil der Sammelbienen aufgrund eines Unwetters nicht in den Bienenstock zurück, so erhöhen die verbleibenden Sammelbienen sofort ihr Aktivitätsniveau, ebenso wie frühzeitig neue Sammelbienen ausgebildet werden.

 

Autarkes Leben

Und weil wir es so faszinierend finden: Bienen führen ein komplett autarkes Leben. Nicht nur, dass sie ihre Nahrung selbst produzieren und ihre Behausung erbauen, sie sorgen sogar für eine Wärmeregulierung innerhalb des Bienenstocks. Über eine Art Zittern, bei dem die Schlagfrequenz der Flügel fast 250 Schläge in der Sekunde erreicht, erzeugen die Arbeiterinnen Wärme. Die Temperatur im Inneren des Bienenstocks wird so fast das ganze Jahr über konstant bei um die 35°C gehalten. Dies erlaubt es Bienen auch in den Wintermonaten als vollständig funktionsfähige Kolonie in den Nestern zu leben, ohne wie viele andere Insekten in einen Ruhezustand überzugehen.

Auch wenn wir es faszinierend finden, aus eigener Energieleistung heraus einen autarken Kreislauf zu erschaffen. Wir von greenergy24 übernehmen gerne die Aufgabe der Biene für dich und sorgen dafür, dass du saubere Energie bekommst, ohne dass du hierfür selbst strampeln musst.

 

Was denkst du? Sollten wir Menschen uns in unserem Verhalten etwas von der Biene abschauen und wenn ja, welche Verhaltensmuster genau? Schreibe uns deine Meinung bei Instagram oder Facebook - Wir sind gespannt zu lesen, was du denkst!

 

* Thomas D. Seeley (2017): Bienendemokratie. Wie Bienen kollektiv entscheiden und was wir davon lernen können. Frankfurt am Main: Fischer Verlag.

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